Die letzten paar Tage brachten mir endlich die ersehnten kühlen Nächte (und z.T. auch Tage), als ich den Bryce Canyon erreichte, der ziemlich hoch in den Bergen liegt (so etwa auf Säntishöhe). Herrlich zum Wandern!
Auch hier sind die Franzosenreisegruppen eingefallen (Island lässt grüssen), ich habe mich auch prima amüsiert ob ihnen: die "wandern" doch tatsächlich auf eine 5km Wanderung in den Canyon hinein mit ihren zarten Sandalen (eine Französin hatte sich jedoch den lokalen Modeerscheinungen angepasst und kam in Cowboystiefeln - echt praktisch auf den steilen, sandigen Wegen hier [Ironie], aber immerhin hatte sie auch einen passenden Cowboyhut gegen die Sonne dabei). Die meisten kommen mit Handtasche und zwei Kilo Video- und Fotoausrüstung zum Wandern, aber haben, wenn's gut geht, 3dl Wasser dabei... Da spielten sich ein paar herrliche Dramen ab, kann ich euch sagen. Es war lustig, ihnen beim Aufstieg zuzusehen und -zuhören (ich verstehe ja zum Glück auch die französischen Fluchwörter). Ich weiss, ich bin fies.
Allerdings muss ich zugestehen, dass der ganze Hype um den Bryce Canyon schon gute Gründe hat, denn schön ist es wirklich hier. Wenn man die Wanderkarten etwas genauer studiert, findet man auch Wege, auf die sich keine Reisegruppen verlaufen.
Mittlerweile habe ich den höchsten Pass meiner Fahrradkarriere (über 3100m) überquert und mir dabei fast sämtliche Weichteile abgefroren. Bin ja jetzt total verweichlicht und schlottere schon, wenn das Thermometer unter 20 Grad fällt, aber wenn es denn in dieser Höhe den ganzen Tag regnet (was für ein Phänomen, ich musste seit Island zum ersten Mal wieder die Regenhose auspacken!), und plötzlich sogar schneit (ich dachte, ich hätte die Höhenkrankheit und leide unter Halluzinationen), dann ist es plötzlich nicht mehr so lustig. Habe alles angezogen, was ich besitze, und fror dennoch wie ein Schlosshund. Zum Glück gabs oben ein Visitor Centre, wo sie ein Kaminfeuer hatten, hurra! Ich hab den Platz vor dem Kamin für mindestens eine Stunde in Beschlag genommen und ihn gnadenlos vor allen Rentnern (fast die einzigen Touris, die jetzt nach der Feriensaison noch unterwegs sind) verteidigt. Tja, in der Not ist Frau sich selbst die Nächste :-) Ich fand, das sei Rache genug für all die unglaublichen Überholmanöver, welche die 80jährigen Opas mit ihren Ungetümen von Wohnmobilen jeweils absolvieren, wenn sie mir auf der Strasse begegnen.
Jetzt bin ich zum Glück wieder "unten" im Tal (nur noch 1700m) und bereite mich innerlich auf die nächste Wüstenetappe vor, durch Nevada bis nach Reno. Dort wird dann ausgiebig gefeiert, denn da soll es doch tatsächlich wieder Bier mit einem gewissen Alkoholgehalt geben! Die Mormonen in Utah sind ja gastfreundlich und so, aber mit dem Feiern haben sie's echt nicht im Griff. Muss jeweils schon schauen, dass ich noch ein warmes Nachtessen kriege, weil beim Eindunkeln fast alles zumacht ausser die Tankstellen.
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